Wie im September 2020 angekündigt:
Nach einer Segelsaison und nach zYnoms Winterschlaf steht sie, die Wetterkarte THUNERSEE WIND & WETTER zum Einsatz bereit — ab sofort.
Passt und nützt sie, die Karte?
Fürs Mitteilen von Eindrücken und Ergänzungen vielen Dank.
Vor dem ersten Testschlag etwas Zeit für einen Blick hinter die Segel-Kulisse auf den Kartentisch von Nik, dem Amateur-Kartographen.
Seit dem ersten Auftauchen der Idee, eine Wetterkarte zu gestalten, beschäftigen Nik folgende drei Aspekte:
- Wie erstellt man eine Karte?
- Wie bindet man die Wetterdaten in die Karte ein?
- Wer liefert die Daten?
Eine spannende und keine kleine Herausforderung, Antworten auf diese drei Fragenkomplexe zu finden.
Jedoch – vor Niks Bericht zur Suche nach den Wetterstationen, zur Kontaktaufnahme mit deren Betreibenden und zu den Verhandlungen mit den Datenlieferanten – ein Rückblick mit Vergleich zum aktuellen Blickfang:
September 2020:
ERSTE PRISE mit BRISE?
April 2022:
THUNERSEE WIND & WETTER — DYNAMISCH & AKTIV
Der Vergleich zeigt, «THUNERSEE WIND & WETTER — DYNAMISCH & AKTIV» stellt das aktuelle Wetter und vor allem die Windsituation auf dem Thunersee auf einen Blick dar. Die Karte 2022 enthält nun genauere Angaben über Windrichtung und -stärke, Wind- und Wetterprognose.
Über diese Daten und deren Quellen berichtet der Kartendesigner zu den drei angekündigten Aspekten:
Zu Aspekt 1: Wie erstellt man eine Karte?
Für mich war immer klar, dass eine Karte die Basis für die Anzeige von Wetterinformationen zum Thunersee sein muss. Eine Karte für verschiedene Fenstergrössen anzuzeigen, die man noch zoomen kann, ohne dass sich die Elemente in der Geografie verschieben, das stellte ich mir recht knifflig vor. Daher habe ich einen Design-Start immer wieder hinausgeschoben. Eines Tages teilte mir Elisabeth mit, dass sie im Internet auf einen Kurs zur Web-Kartographie gestossen sei. Der Kurs Introduction to Web Cartography der ETH war auf der Plattform edX zu finden. Dort stellen über 100, darunter sehr renommierte, Universitäten Vorlesungen und Ausbildungsprogramme zur Verfügung. Der genannte Kurs behandelte in einigen Lektionen Geoinformationssysteme und dazugehörige Tools. Leaflet war dabei die einfachste der vorgestellten JavaScript-Libraries. Mit wenigen Zeilen Code konnte ich den Thunersee im Browser anzeigen. Nun gab es kein Halten mehr: Nach ein paar Tagen konnte ich Windrichtung und -stärke mit einem Windsack darstellen – aber noch ohne Realitätsbezug, da die Daten frei erfunden waren.
Zu Aspekt 2: Wie bindet man die Wetterdaten in die Karte ein?
Rings um den Thunersee gibt es einige Wetterstationen, meist in der Hand von Privaten, die ihre Messwerte im Internet publizieren. Einfach die benötigten Daten aus der Website extrahieren und im Browser grafisch anzeigen. Sicher gibt es ein Tool, das einen dabei unterstützt. Leider sind wir auf dem Server auf die Programmiersprache PHP beschränkt. Dort gibt es im Standard ein paar DOMDocument-Funktionen, mit denen müsste man für jede einzelne Messstation ein eigenes Programm schreiben, um die Seite zu scannen. Da habe ich mich halt hingesetzt und selbst ein Programm geschrieben, das aufgrund einer Konfigurations-Datei in einem HTML-Dokument navigieren und Daten extrahieren kann. Das funktionierte bald zuverlässig – nur ist jede Site etwas anderes, es müssen weitere Konstellationen berücksichtigt und weitere Möglichkeiten programmiert werden. Ausserdem verwenden einige nicht HTML, sondern XML; andere bieten ein API an, das JSON zurückgibt; wieder andere liefern ein File in CSV.
Mit der Zeit wurde mein Navigationsprogramm immer umfangreicher und ausgeklügelter. Schliesslich wurde dieses vom Umfang her der Hauptbestandteil des Projekts.
In der Zwischenzeit habe ich festgestellt, dass nun Scan-Funktionen angeboten werden, die Ähnliches leisten sollen — aber meine ist bestimmt die beste 😉
Zu Aspekt 3: Wer liefert die Daten?
Die Wetterstationen werden grösstenteils von Privatpersonen oder Vereinen betrieben. Meistens kann man deren Daten aus den Websites extrahieren. In einigen Fällen werden sie aber nur als Bild publiziert, da musste ich herausfinden oder nachfragen, wie ich zu den maschinenlesbaren Daten komme. Es war nicht immer einfach, zu ermitteln, wer nun die Station wirklich betreibt, manchmal musste um drei Ecken geforscht werden. Ich habe selbstverständlich bei allen nachgefragt, ob ich ihre Daten für meinen Zweck verwenden darf. Fast überall erfolgte sofort Zustimmung, oft mit aufmunternden Worten und nützlichen Ratschlägen.
Die Wetterstationen werden von Einzelpersonen unterhalten, diese müssen Zeit finden, allfällige Probleme zu lösen, und nicht alle wohnen unmittelbar neben der Station. Vielen Dank für euren Einsatz!
Ein heikles Teil scheint die Windfahne zu sein: Einige Stationen zeigten Windrichtungen an, die aufgrund der Wetterlage nicht korrekt sein konnten. Manchmal erforderte es richtige Kletterpartien, um den Mangel zu beheben.
Ein wichtiger Aspekt ist die Windprognose. Ich habe bei Windfinder nachgefragt, diese liefern gerne Daten, zu einem recht hohen Preis und nicht unbedingt in der gewünschten Qualität bezüglich Prognosehäufigkeit und Zuverlässigkeit der Prognose. Auch MeteoSchweiz will Geld, sie können aber häufiger liefern. Die Prognosen schienen mir auch dort nicht besonders genau, dies ist verständlich angesichts der topologischen Verhältnisse. Eigenartig, dass es so kostspielig ist, Daten von einer Bundesstelle zu bekommen, die öffentlich für jedermann zugänglich sind. Vorbildlich ist SwissTopo, deren Daten sind kostenlos für alle abrufbar. MeteoSchweiz liefert mir die Daten stündlich auf den Server; da ich mich zur Verfügung gestellt habe, ihr neues API zu testen (hier kann ich die Daten genau dann holen, wenn ich sie brauche), erhalte ich sie vorläufig gratis.
Die aktuellste Ergänzung ist die Windwarnung. Die Daten dazu dürfen wir bei der Kantonspolizei beziehen. Diese sind öffentlich zugänglich und stimmen mit der Anzeige der Leuchtfeuer am See überein.
Wie im Vergleich zu sehen ist, bietet die neue Karte nun dynamische Inhalte zu WIND und WETTER am und auf dem THUNERSEE.
Es gibt viele Ideen, was man auf der Thunersee-Karte alles anzeigen kann, einige sind im hydroP «ERSTE PRISE MIT BRISE» bereits angedeutet. Das meiste davon würde von erfahrenen Thunersee-Nautikern kaum gebraucht. Nützlich für externe Gäste wären allenfalls Hinweise zu Gästeplätzen und Anlegestellen bei Restaurants sowie zu Werften und Werkstätten. Vorläufig bleibt die Erscheinungsform so, wie sie zurzeit ist.
Einzig eine Ergänzung im Hintergrund ist geplant: Die Daten sollen im Server zwischengespeichert werden, damit bei mehreren zeitlich naheliegenden Anfragen nicht jedes Mal die Lieferanten der Daten aufgerufen werden.
Bald sollen im Atelier von enwebs Details zu Niks Web Scraping Tool erscheinen.
Guter Saisonstart und immer passender Wind!
PS: Vielen Dank für Eindrücke und Ergänzungen.
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Vielen Dank für die wirklich toll gemachte Seite!
Ich als Seefischer nutze Ihre Wind und Wetter Seite regelmässig um mich über die Windsituation mit einem Blick auf dem Thunersee zu informieren.
Ich empfehle Ihre Seite auch regelmässig weiter.
Webcams währen zwar noch praktisch, aber man kann ja auch mal vor die Türe gehen und nach dem Wetter sehen:-)